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Biervater, Biersohn, Bierjunge – Alle nur am saufen?

Nachdem ich mich in meiner ersten Curatorenrunde schon mit der Frage „Couleurstudent und Pfadfinder?“ beschäftigt habe, möchte ich auch dieses mal, aufgrund von Nachfragen, auf ein couleurstudentisches Thema eingehen.

Wie der Titel schon sagt, geht es ums Bier oder eher generell um den Eindruck, dass Studenten und besonders Studentenverbindungen sehr viel Alkohol konsumieren.

Es sollte hinreichend bekannt sein, dass Studenten doch des öfteren mal einen Heben, als es zum Beispiel Auszubildene im gleichen Alter tun. In einem Wohnheim wird zudem vermutlich öfter mal zusammen gesessen und es kommt schneller dazu, dass man sich nen Bier gönnt.

Das ganze ist jetzt recht allgemein gehalten. Ihr wolltet ja wissen, wie es bei uns ist. Ich möchte nicht die ganze Zeit für die Allgemeinheit sprechen, sondern lieber für mich. 😉

Wer mir schon ein bisschen folgt, der weiß, dass ich nen sehr geselliger Typ bin und im Sommer gerne mal ein Bild von der Dachterreasse vertwittere, wo das ein oder andere Bier mit drauf ist. Auch wenn ich auf nem Lager bin, wird abends am Lagerfeuer, nachdem die Kinder schlafen sind und mindestens einer nüchtern bleibt, gerne mal ein Bier getrunken.

Ihr seht also schon: Ich für meinen Teil, trinke gerne mal einen und auch einen mehr. 😉

Aber was hat es jetzt mit den ganzen Begriffen aus dem Titel auf sich? Erst einmal lässt das ganze „Bier“ ja darauf schließen das es etwas mit Alkohol zu tun hat.

Ja, es hat was mit Bier zu tun. Die Wörter stammen aus dem sog. Biercomment (u.a. hier nachzulesen) und wie z.B. der Begriff „Bierjunge“ eine Veralberung der Mensur, also dem Duell zwischen 2 Studenten mit scharfen Waffen. Das Wort wird als „Beleidigung“ verstanden und wird dann im Duell ausgetrunken. Die Idee eine Streitigkeit „an der Tasse“ auszutrinken ist sicher nicht verkehrt, allerdings wird der „Bierjunge“ mittlerweile sehr inflationär benutzt, sodass es, besonders bei Couleurbesuch, eher als „Ey, ich kann mich zwar nicht Unterhalten, aber dann sauf halt wenigstens einen mit mir.“ aufgenommen werden kann. In wie weit man das mit machen möchte, muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich lehne diese Aufforderung immer öfter ab.

Bei den Verbindungen wird also nur sinnlos gesoffen! Oder macht ihr auch was anderes?

Ja, machen wir! Wir stellen zum Beispiel jedes Semester ein Semesterprogramm zusammen, in welchem die Prinzipien unseres Dachverbandes vertreten sind. Also Religion, Wissenschaft & Freundschaft.

Dass wir Prinzipien haben und diese mit ins Semesterprogramm einbringen, bringt euer wissen vermutlich nicht weiter. Deswegen folgen nun ein paar Beispiele.

Ganz aktuell und sogar in meiner Zeit als Curator, waren wir am Dienstag zu einer Exkursion in einem der buddhistischen Zentren in Köln. Hier wurde uns bei einem Tee einiges über den Buddhismus erklärt und wir konnten eine Meditation mit machen. In den letzten Semestern hatten wir u.a. Exkursionen in den Landtag nach Düsseldorf, in die Rundfunk- und Fernsehstudios Köln, über die Dächer von Köln (sprich: eine Führung durch/über den Dom) und in die Elektrothek Osterath.

Neben Exkursionen gibt es auch auf unserem Haus immer wieder Vorträge, meist von Alten Herren. Ein festes Thema geben wir nicht vor, so wird z.B. über „Stahlwerke heute: ein Ausblick in die Zukunft der modernen Stähle“, „Lean Startup: Wie verkaufe ich ein Produkt 30x am Tag“ oder „Jobvermittlung bei der Agentur für Arbeit“ gesprochen.

Neben den Vorträgen und Exkursionen, gibt es meistens pro Semester auch eine Wochenendfahrt, die etwas weiter weg geht. Dieses Jahr waren wir z.B. in Essen, u.a. haben wir uns dort aus 3 Escape Rooms befreit und die Zeche Zollverein besucht.

Dachterrasse mit neuen Möbeln

Dachterrasse mit neuen Möbeln

Neben all dem müssen wir dazu noch gucken, dass unser Haus in Schuss bleibt. Zwar bekommen wir über die Mieten ein wenig Geld rein, aber um für alles einen Handwerker zu rufen reicht es natürlich nicht und würde auch nicht zur „Gipsburg“ passen. Damals haben die Studenten schon den Innenausbau quasi komplett selbst übernommen, eben mit Gipswänden. Damit das Haus nicht auseinander fällt, gibt es jedes Semester, meist kurz vor dem Winter- oder Stiftungsfest (quasi dem Geburtstag der Verbindung) ein sogenanntes Hausbauwochenende. Hier entstehen zum Beispiel schöne neue Terrassenmöbel, es werden Schäden repariert und das ganze Haus wird einmal anständig geputzt.

Jetzt, in der Adventszeit, gibt es auch öfter ein gemeinsames Frühstück, welches mit einem spirituellen Impuls startet. Im Januar besucht uns dann unser Ehrenmitglied und Hochschulpfarrer Christoph Simonsen, welcher mit uns eine Diskussionsrunde abhält.

Wie in einigen Tweets schon erwähnt, haben wir zu den anderen Vereinen in unserem Dachverband, zumindest in Aachen, ein gutes Verhältnis, sodass man auch dort gemeinsame Veranstaltungen, wie z.B. den KVA-Sport hat. Hier treten die verschiedenen Bünde z.B. im Badminton oder beim Fußballturnier gegeneinander an.

Jetzt ist der Eintrag schon wieder viel länger geworden, als er eigentlich sollte. Ich hoffe ihr habt einen kleinen Eindruck davon bekommen, dass es hier nicht nur ums Saufen geht, sondern das Programm der Verbindung auch auf interessante Veranstaltungen ausgelegt ist.

Natürlich machen die Leute, die hier zusammen wohnen, oder sich u.a. durch die Verbindungen kennen, auch in ihrer „Freizeit“ noch einiges zusammen. Sei es nur der gemeinsame Mensabesuch oder sogar ein gemeinsamer Urlaub. Wie es in einem „normalen“ Freundeskreis eben auch ist.

Bevor jemand sagt: „Währenddessen sauft ihr doch auch immer.“ Nein! Aber es ist natürlich richtig, dass man sich (fast) immer ein Bier aus dem Kühlkeller nehmen kann, wenn man das denn möchte, oder aber auch z.B. AHAH bei einem ihrer Vorträge ein Fass und belegte Brötchen ausgeben.

Wie auch beim letzten mal, wenn ihr noch weiterhin Fragen habt, dann schreibt mich bei Twitter an! 🙂

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