Artikelformat

Woche J3W52 – Jahr drei, die Letzte

Sonntag Abend, Mitternacht. In zwölf Stunden wird meine Woche hier zu Ende gehen. Höchlichste Zeit, die letzten sieben Tage nochmal Pürree massieren zu lassen. Jeder Curator hat ja seinen eigenen Schwerpunkt, meiner waren wohl Fotos. Da passt es ganz gut, dass ich in meiner ersten Curatorenwoche im August 2013 meine ersten Bilder mit meiner ersten wirklich anständigen Kamera (einer Sony Nex-6) hier hochladen konnte. Der Kreis schließt sich, junger Luke.

Meinen ursprünglichen Plan, wirlebenAC in meiner Amtszeit vom Twitter- zum Blogprojekt umzufruckeln, hatte ich schon 2013 aufgeben müssen (klicken Sie hier für weitere Informationen). So habe ich diesmal also darauf verzichtet, mehr Blogbeiträge als Tweets abzusondern. Und nun nagt schlechtes Gewissen an mir, den obligatorischen Pflichtbeitrag hier erst wenige Stunden vor Ladenschluss eingereicht zu haben. Wohlan, lasset uns darum jetzt anhand einiger ausgewählter Lichtbilder durch die zurückliegende Woche strollen.

_DSC5101-Cinedom-Web

Köln, Mediapark. In der VHS im Komed drei Häuser weiter links habe ich am Montagabend in einem Kurs die Feinheiten der Makrofotografie (Bienchen, Blümchen und keine Witzchen mehr, danke) vermittelt bekommen; am Samstag sollte die Theorie dann praktisch angewendet werden – siehe unten.

Der Tagesverlauf davor war allerdings weit weniger entspannt – in die Minuten meiner Accountübernahme platzte die Meldung, dass das Camp der Tagebaugegner am Hambacher Forst vom größten Polizeiaufgebot in seiner vierjährigen Geschichte durchsucht wurde. Ich hatte für die nächsten Stunden alle Hände voll zu tun, den Artikel auf Aachener-zeitung.de und Aachener-nachrichten.de ständig zu aktualisieren. Ich habe versucht, euch dabei so weit wie möglich liveticker-mäßig auf dem Laufenden zu halten.

_DSC5144-Unfall

Am Dienstag dann plötzlich das: Auf dem Rückweg von einem Fototermin mit Herzogenrather Realschülern, die bei der Internetrallye Netrace von AZ und AN gewonnen hatten, sah ich von der Brücke am Soerser Weg diesen Unfall auf der A4. Der Sattelschlepper rechts war in ein Stauende gekracht, ein Fahrer wurde dabei schwer verletzt, zwei andere leicht. Es war das einzige Mal in dieser Woche, dass ich zufälligerweise kein Teleobjektiv dabei hatte, nur ein Weitwinkel – wir mussten dann in der Redaktion den briefmarkengroßen Ausschnitt mit den Lastwagen aus einem weitläufigen Landschaftspanorama ausschneiden und großzoomen.

deutschbuch_web

Abends dann Deutschunterricht: Ich gebe derzeit einem 16-jährigen Asylbewerber aus Guinea und einem syrischen Studenten Nachhilfe. Wenn ich mir von euch irgendwas wünschen dürfte, dann, dass ihr euch auch den Geflüchteten zuwendet. Deutschland hat Hunderttausenden das Leben gerettet, aber wenn wir als Gesellschaft die Integration nicht als unsere gemeinsame Aufgabe verstehen und anpacken, kann die Sache nicht funktionieren. Dann droht den zu uns gekommenen Menschen und uns ein Desaster – also wendet euch an irgendeine der unzähligen Aachener Helferinitiativen und macht mit! Helft bei der Alltagsbewältigung, gebt Deutsch-Nachhilfe, betreut Kinder, helft beim Formularausfüllen oder beim Erkunden des Stadtteils. Es erweitert den Horizont und macht wirklich Spaß!

An „meinen“ Schüler bin ich übrigens über den Verein hêvî – Hoffnung für Geflüchtete gekommen, der regelmäßig Kennenlern-Abende im Cafe & Bar Zuhause ausrichtet. Am nächsten Freitag ist in seinem Wohnheim großes Multi-Kulti-Fest, ich freu mich schon drauf.

Wichtig: Auf keinen Fall dürfen wir uns von den paar Prozent Vollpfosten, die leider Gottes unter Flüchtlingen genauso zu finden sind wie in jeder Gruppe Menschen auf diesem Planeten, davon abhalten, den Tausenden und Abertausenden wirklich bedürftiger – und dankbarer! – Menschen zu helfen.

Eine Liste von Initiativen findet ihr auf www.unserac.de, auf der Seite „meines“ Flüchtlingshelferkreises Brand-Forst www.aachenschafftdas.de oder einfach über Google. Wir schaffen das!

saecke_web

Mittwoch. Kondome, Gelbe Säcke und ein bisschen Werbung für die Online-Angebote des Zeitungsverlags von AmAbend-App, WhatsApp-Nachrichtenabo bis zu den Apps AZ-News und AN-News für iOS und Android.

_DSC5200-Medienhaus-in-the-

Donnerstag. Morgens Medienhaus in the Sun, tagsüber bissl Erklärbär in Sachen Arbeitsweise eines Onlineredakteurs, abends etwas Öcher Seele.

_DSC5242-Grashaus-web

Und natürlich: Fischi in the night!

_DSC5246-web-sehr-hoch

Freitag – sorry, hatte mich den ganzen Tag über um zwei Praktikanten zu kümmern, war etwas zeitraubend. Entsprechend schwach die Tweetschlagzahl.

Samstag. Wie gut kann ein Tag noch werden, der mit einem zertöpperten Brillenglas anfängt? Aber er wurde dann doch noch ganz brauchbar – die Exkursion des erwähnten Kölner VHS-Kurses Makrofotografie am Montag führte uns auf den Biohof Thurner (Achtung, Comic Sans!). Wo es farbenfrohe Gewächse und des fotogenes Gefleuch zuhauf gab.

_DSC5282 Hof korrweb

_DSC5335-Bluemchensex_webkorr

_DSC5393 Blaublume web

_DSC5314 Tulipan web

_DSC5306 Butterbiene korrweb

_DSC5363 Kirchbluete korr

_DSC5323 Löwenzahn web

Wenn mich jemand fragt, was für eine Kamera er kaufen soll (und erstaunlicherweise tun das inzwischen gelegentlich Leute), kann ich frohen Herzens zu einer Systemkamera aus dem Hause Sony raten. An diese Geräte lassen sich nämlich ältere manuelle Objektive aus den 70er- und 80er-Jahren anschließen, die dank hochwertiger Gläser eine teils bessere Bildqualität bieten als ihre modernen Gegenstücke. Solider verarbeitet als ihre Kunststoff-Nachfolger sind sie dank Metallgehäuse ebenfalls, langlebiger und werbeständiger als die fragilen Hightech-Teile mit ihren Ultraschallmotoren und Mikroprozessoren sowieso. (Wen das Thema interessiert: Im Blog des Bielefelder Fotografen Phillip Reeve finden sich Besprechungen einzelner Objektive mit süchtig machenden Fotos und viele Tipps für Einsteiger, etwa über bezahlbare Einsteigerobjektive. Die aktuellsten Tests sind in der englischen Version seines Blogs unter www.phillipreeve.net zu finden).

_DSC5403korr

Sonntag. Morgens Sonne im Café Ferbers in Burtscheid, verbunden mit einer kleinen Twitterumfrage, wo man denn noch so alles hingehen kann (mit Café M und Lammerskötter liegt Burtscheid ganz weit vorne).

_DSC5417korrweb

Zum Schluss noch eine Prise meines geliebten Ostviertels: Adalbertstimmung am Abendsteinweg.

Und damit gehen sie zu Ende, meine sieben Tage Berühmtheit. Eine kleine Kuratorenwoche für mich, eine große für dieses Projekt – es war die 52. im dritten Jahr. Ich darf der very wundervollen Entenmama (upps, falsches Projekt, das war das Aachener Testessen) Sabine für die Ehre und das Vergnügen danken, das dritte Jahr dieses ebenso webzwonulligen wie heimatverbundenen Projekts beenden gedurft zu haben. Äh. Machen gehabt zu haben dürfen hatte. Ihr wisst, was ich meine.

… Und meinem Nachfolger, dem weitgereisten und möglicherweise nicht Batman seienden @AndreErler einen knackigen Einstand und eine noch viel knackigere Woche wünschen! Wir sind gespannt auf deine Tweets (und die Sache mit den Leinwänden) – lass es krachen im vierten Jahr!

PS: Falls mir wer folgen will: Unter @Tippling bleibt ihr mir auf den Fersen und auf meinem Blog www.marc-heckert.de könnt ihr die Geschichte meines moorbraunen Mercedes-Coupés, meine tapsenden Schritte in die große weite Welt der Fotografie und diverses andere Reise- und Privatgebrösel lesen. Wenn ihr mit dem restlichen Internet durch seid, natürlich.

2 Kommentare

  1. Es war eine sehr abwechslungsreiche und unterhaltsame Woche mit dir, lieber Marc.
    Das hat mir, nach den gefühlt etwas monothematischen Vorwochen, sehr gut gefallen.
    Auf deine Foddos kannst du inzwischen wirklich stolz sein.

    Antworten
  2. Marc Heckert

    18/04/2016 @ 19:20

    Danke für die warmen Worte, lieber Michael. Nachdem die Anspannung von mir abgefallen ist, könnten wir mal das schon lange mal angedachte Plauderstündchen bei gut abgestandenem Moorwasser aus Schottland ins gerötete Auge fassen, findest du nicht?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.